Der Verein im Spiegel der Presse

Freunde der Lenauschule verleihen Elsa-Lucia-Kappler-Preis

Förderung besonderer Leistungen im Fach Deutsch an der Lenauschule in Temeswar / Einladung zur Mitgliederversammlung

Der Verein der Freunde der Lenauschule mit Sitz in Rastatt wird -- beginnend mit dem Schuljahr 2008/2009 -- den Elsa-Lucia-Kappler-Preis für besondere Leistungen im Fach Deutsch verleihen. Er ist für je eine Lenauschülerin oder einen Lenauschüler der 10. und der 12. Klassen bestimmt und pro Klassenstufe mit jährlich 250 Euro dotiert.

Arikel Banater PostDieser Preis ist einer großzügigen und zweckgebundenen Spende von Prof. Dr.-Ing. Günter Kappler aus Gauting bei München zu verdanken, dem international anerkannten Luft- und Raumfahrttechnik-Wissenschaftler, der die Lenauschule 1956 absolviert hat und zum Kreis der momentan fast fünfzig Mitglieder des Vereins gehört. Elsa-Lucia Kappler (1908 – 1984) war die Mutter des Preisstifters und Deutschlehrerin, die mit der Lenauschule bzw. ihren Vorgängerschulen in zweifacher Hinsicht verbunden war: als jahrgangsbeste Absolventin 1926 und als Lehrerin in den Jahren von 1956 bis 1960.

Über die Preisvergabe entscheidet eine Jury aus Vertretern der Lenauschule und des Vereines. Entscheidend sind die Bewerbungsschreiben der Schüler um den Preis, in denen sie ihre schulischen und außerschulischen Leistungen selbst darstellen sollen, ihre Mittelnoten im Fach Deutsch und die Ergebnisse der Deutscholympiade auf Kreisebene. Dabei erfahren die Olympiadearbeiten eine Zweitkorrektur, bei der besonders auf den logischen Zusammenhang des Textes sowie die korrekte Ausdrucksweise geachtet wird. Die ersten Elsa-Lucia-Kappler-Preise werden im Mai/Juni im Festsaal der Lenauschule im Rahmen der Feierlichkeiten zur Vergabe des Deutschen Sprachdiploms Stufe II der bundesdeutschen Kultusministerkonferenz verliehen.

Im Gedenken an seine Mutter honoriert Prof. Dr. Günter Kappler auch die Leistungen der Schule als Ganzes mit 500 Euro, so dass das jährliche Volumen des Preisgeldes insgesamt 1000 Euro beträgt. Der Betrag von 500 Euro soll für Projekte zur Verbesserung der Lehr- und Lernsituation verwendet werden. Damit will der Preisstifter auf den Verbund von Individual- und Gemeinschaftsleistung aufmerksam machen: Die guten Leistungen eines Schülers sind auch den guten Leistungen seiner Lehrer sowie der Güte seiner Schule insgesamt geschuldet, weiß der Wissenschaftler. Günter Kappler führt aus: „Ich hatte Erfolg im Leben, weil ich so hervorragende Lehrer hatte, und meine liebe Mutter hat sich jedes Mal so eingehend für jede Unterrichtsstunde vorbereitet, weil es um die Zukunft ihrer Schüler ging. Gerade damals war es nicht leicht, das wirklich Wertvolle und Bleibende des Unterrichts richtig in all die sinnlosen Phrasen der Partei zu verpacken.“

Elsa Lucia Kappler, geborene Wagner, erblickte am 24. Januar 1908 im siebenbürgischen Sächsisch-Regen das Licht der Welt. Nach dem Abitur in Temeswar studierte sie an der Universität in Klausenburg sowie an der Sorbonne in Paris. 1931 erlangte sie in Klausenburg den Magister in moderner Philologie, 1933 cum laude das Diplom als Studienrätin für die deutsche Sprache. Im selben Jahr heiratete sie den Rechtsanwalt Dr. Eugen Julius Alexius Kappler und aus der Ehe gingen vier Kinder hervor. 1945 kam die Familie nach Temeswar, wo Elsa Lucia Kappler bis zur Aussiedlung 1960 an mehreren Schulen unterrichtete. Ihre berufliche Laufbahn schloss die Oberstudienrätin als Realschullehrerin 1971 an der Robert-Koch-Schule in Frankfurt/Main ab. „Auch als sie nach der Pensionierung immer wieder als Aushilfslehrerin einsprang, bereitete sie sich sehr konzentriert und detailliert für jede Stunde vor. Ihr war immer bewusst, dass das aufgenommene Wissen Teil des Lebens wird, und sie war nimmermüde, der Jugend durch Wissen eine bessere Zukunft zu gestalten“, erinnert sich Prof. Dr.-Ing. Günter Kappler an seine Mutter, die am 22. Juni 1984 in Baden-Baden aus dem Leben schied.

„Nur was du im eigenem Kopf hast, kann dir keiner wegnehmen’, brachte sie uns in Temeswar bei, und sie sorgte dafür, dass wir in unserer Ausbildung sehr viel in den eigenen Kopf bekamen“, so Preisstifter Günter Kappler weiter über seine Mutter, die ihm am 9. September 1939 ebenfalls in Sächsisch-Regen das Leben schenkte. Nach seinem Abitur studierte er 1957 bis 1964 zunächst am Polytechnikum in Temeswar, dann an der TU Darmstadt, die er als Diplom-Ingenieur absolvierte. Nach zweijährigem Aufenthalt an der University of Pittsburgh in den USA machte er dort 1966 seinen Master of Science. 1970 promovierte er an der Universität Karlsruhe, wo er als Wissenschaftlicher Assistent am Thermodynamischen Institut tätig war. Bei der MTU in München stieg er in wenigen Jahren vom Mitarbeiter zum Hauptabteilungsleiter in der Forschung auf. Es folgten die Professur an der TU München (Lehrstuhl für Flugantriebe), die Aufgabe des Direktors am Institut für Luft- und Raumfahrt der TU München und Verantwortungen in den Geschäftsführungen von BMW Rolls-Royce in Oberursel, Fairchild-Dornier in Oberpfaffenhofen und EPI Europrop International in Unterschleißheim. In dieser Zeit war er u. a. für die Zulassung und Vermarktung der ersten deutschen Triebwerke für die zivile Luftfahrt zuständig, Leiter der Entwicklung einer ganzen Flugzeugfamilie und Leiter der Entwicklung des leistungsstärksten europäischen Turboprop-Triebwerkes. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands baute er das BMW Rolls-Royce Forschungs- und Entwicklungszentrum im brandenburgischen Dahlewitz auf. Seit 2005 wirkt er u. a. in Überprüfungsteams zweier Airbus-Programme des EADS-Konzernes mit, als Berater des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie in Fragen der Luft- und Raumfahrtindustrie und als Mitglied des Gutachterausschusses des Luftfahrtforschungsprogrammes des Bundes. Aus einer langen Reihe von Auszeichnungen seien das Bundesverdienstkreuz am Bande, eine Ehrenprofessur an der Luftfahrtuniversität in der chinesischen Hauptstadt Peking, Ehrendoktorwürden u. a. der Bundeswehr-Universität München sowie die Ernst-Messerschmitt- und die Otto-Lilienthal-Medaillen der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt erwähnt. Prof. Dr.-Ing. Günter Kappler hat „wie niemand sonst in Deutschland den Triebwerksbau der letzten Jahrzehnte geprägt“, notierte die „Süddeutsche Zeitung“ am 10. Juli 2008 in einer ausführlichen Würdigung seiner Persönlichkeit. Für den Verein der Freunde der Lenauschule ist es jedenfalls eine große Ehre, Antrieb durch den „nur offiziell pensionierten deutschen Triebwerks-Papst“ (ebenfalls „Süddeutsche Zeitung“) zu erfahren.

Kurz vor Weihnachten wurde dem jungen Verein eine weitere Mut machende Bescherung zuteil. Die Hessische Staatskanzlei hat den Freunden der Lenauschule einen Zuschuss in Höhe von 8000 Euro zur Renovierung des Lenauschulinternates bewilligt. Mit Hilfe des Geldes sollen im Wohnheim in der Temeswarer Dr.-Iosif-Nemoianu-Straße 5 nicht zuletzt „Hessen-Räume“ eingerichtet werden, informierte Franz Quint, Vorsitzender des Vereines. „Dieses Projekt wird umgesetzt, sobald feststeht, in welchem Umfang sich notwendigerweise die zuständigen rumänischen Behörden an den Bauarbeiten beteiligen.“ Unterstützt wurde der Verein bei der Antragstellung von Dr. Rolf Willaredt, Fachberater für Deutsch der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen in Temeswar. Die Internatsrenovierung soll dereinst nicht zuletzt den Teilnehmern an Bildungsveranstaltungen rund um die deutsche Sprache dienen.

Ältestes Mitglied des Vereines ist derzeit Mathias Fraunhoffer, 82, der die Lenauschule 1950 absolviert hat. Der in Osthofen lebende pensionierte Lehrer für Mathematik und Physik hat im vergangenen Jahr im Selbstverlag den Gedichtband „Die Gedanken sind frei!“ veröffentlicht und stellt nun dem Verein die Hälfte des Preises jedes verkauften Buches als Spende zur Verfügung. Der 85-seitige Band kostet 10,00 Euro zuzüglich 0,85 Euro Versand und kann auf der Homepage des Vereines, www.lenauschule.net, bestellt werden. Dort gibt es auch eine Leseprobe.

„Wir haben von vielen Seiten Zuspruch bekommen sowie viele Absichtserklärungen, dem Verein beizutreten, die jedoch noch nicht alle mit Beitrittserklärungen hinterlegt sind“, blickt Franz Quint auf das erste gute halbe Jahr des am 6. Juli 2008 gegründeten Vereines zurück, dem Frauen und Männer aus Deutschland, Rumänien, der Schweiz, Österreich und China angehören, wo ein ehemaliger Lenauschüler seinem Beruf nachgeht. Diese treffen sich am 14. Februar um 14 Uhr zur zweiten Mitgliederversammlung, die in der Gaststätte Kuriatkos Delicatus in der Oberndorfer Straße 1B in 85622 Feldkirchen im Osten von München stattfindet. Auf der Tagesordnung stehen unter anderem Berichte über die laufenden Aktivitäten des Vereines und die Vorstellung möglicher neuer Projekte. Zu diesem „Lenauarbeitstreffen“ mit anschließendem geselligem Beisammensein sind ausdrücklich auch interessierte Nichtmitglieder willkommen. Aus organisatorischen Gründen wird um Anmeldungen gebeten bei Franz Quint oder Werner Roosz entgegen. Weitere Informationen sind ebenfalls auf den Web-Seiten des Vereins erhältlich.                                             

Marius Koity

Banater Post, Jahrgang 53, Nr. 3, München, 05 Februar 2009

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